Mitfühlend Leben - MBCL

Das acht Einheiten umfassende Kursprogramm "Mitfühlend Leben" (Mindfulness-Based Compassionate Living - MBCL) ist ein Vertiefungsangebot für ehemalige Teilnehmer eines MBSR- oder MBCT-Kurses, in der Praxis des (Selbst-)Mitgefühls. Das Programm wurde von Frits Koster und Erik van der Brink entwickelt. Es basiert auf der Arbeit von Christopher Germer, Kristin Neff und Paul Gilbert, den Pionieren der westlichen Mitgefühlspraxis.

Mitgefühl ist die Fähigkeit, am Schmerz und dem Leiden von uns selbst und anderen Anteil zu nehmen. Diese Fähigkeit ist von dem Wunsch begleitet, Schmerzen und Leiden zu erleichtern und von der Bereitschaft, die eigene Verantwortung daran zu erkennen.

Kursinhalte

Der MBCL-Kurs vertieft die Achtsamkeitspraxis und fördert die Entwicklung und Erfahrung von Mitgefühl und damit auch die seelische und körperliche Gesundheit.

Die Übungen im Kurs unterstützen Sie darin, sich selbst und anderen gegenüber eine freundliche und mitfühlende innere Haltung zu entwickeln. Auf diese Weise können Sie Sicherheit, Akzeptanz und Verbundenheit mit sich und anderen erfahren.

Neben den Übungen werden im Kurs theoretische Grundlagen zur Wirksamkeit von Mitgefühl vermittelt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie Sie die Qualität von Mitgefühl im Alltag leben können. Ein weiteres Schwerpunktthema ist der mitfühlende Umgang mit schwierigen Gefühlen und herausfordernden Lebenssituationen.

Welche Kosten entstehen

Die Kursgebühr beträgt 380 Euro. Darin enthalten sind: die Teilnahme am MBCL-Kurs und an einem „Vormittag in Stille“, ein telefonisches Vorgespräch sowie das Kursmaterial (inklusive Aufnahmen aller begleitenden Meditationen und Übungen) als Unterstützung für die Praxis zu Hause.

Eine Bezuschussung durch die gesetzlichen Krankenkassen nach dem Präventionsgesetzes (§ 20 nach SGB V) als präventive Leistung besteht für dieses Angebot nicht.

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Mindfulness-Based Compassionate Living (MBCL) und Mindful Self-Compassion (MSC)

Was sie gemeinsam haben und was sie unterscheidet

In vielen Ländern werden zwei Formen von Mitgefühlstraining angeboten: Mindfulness-Based Compassionate Living (MBCL) und Mindful Self Compassion (MSC). Beide Programme bestehen aus acht Sitzungen und einer zusätzlichen Sitzung in Stille und haben das Ziel, Mitgefühl zu kultivieren.

MBCL wurde in enger Zusammenarbeit zweier wegweisender Achtsamkeitslehrer in den Niederlanden entwickelt und basiert auf ihrer umfangreichen Erfahrung in der Arbeit mit MBSR und MBCT in der psychiatrischen Versorgung: dem Psychiater und Psychotherapeuten Erik van den Brink und dem Meditationslehrer Frits Koster. In ihr Programm haben sie neben Elementen die von den Entwicklern des MSC stammen auch Elemente integriert, die von Gilberts Compassion Focused Therapy (CFT) abgeleitet wurden und deren Grundlage ein evolutionäres Modell des menschlichen Geistes ist. MSC wurde von Kristin Neff, einer Pionierin in der Forschung zum Thema Selbstmitgefühl und dem klinischen Psychologen Christopher Germer, einem Experten auf dem Gebiet der Meditation und Psychotherapie, entwickelt.


Was sie gemeinsam haben

  • MBCL und MSC schöpfen aus vielen ähnlichen Quellen und präsentieren das Mitgefühlstraining auf säkulare, nicht-religiöse Weise. Sie basieren auf einem transdiagnostischen Blick auf menschliches Leiden und universellen Modellen des menschlichen Geistes und können beide in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden (Prävention, Primär- und Sekundäre Gesundheitsversorgung, Coaching, Beratung, Bildungswesen, Personalwesen, Management).
  • Sowohl MBCL als auch MSC beinhalten evidenzbasierte Übungen, die neue neurowissenschaftliche und klinische Erkenntnisse einbeziehen.
  • Beide Programme bieten Übungen an die helfen, mit Stress und (emotionalem) Schmerz auf eine gesündere Art und Weise umzugehen. Beide Programme zielen darauf ab, heilsame Geisteszustände zu kultivieren und integrieren Erkenntnisse aus der modernen Psychologie und altbewährte kontemplative Freundlichkeits- und Mitgefühls-Übungen (wie Metta und Tonglen).
  • Beide Programme geben viel Raum für den Umgang mit Nebenwirkungen der Selbstmitgefühlspraxis und den Umgang mit schmerzhaften Emotionen und Selbstkritik und unterstützen die Teilnehmenden dabei, ihre eigenen Unvollkommenheiten zu akzeptieren und eine freundliche, fürsorgliche und verzeihende Haltung gegenüber sich selbst zu entwickeln.
  • Beide haben die Entwicklung der vier grenzenlosen Qualitäten des Herzens (Freundlichkeit, Mitgefühl, anerkennende Freude und Gelassenheit) zum Ziel.

Was sie unterscheidet

  • MBCL ist als Folgeprogramm konzipiert und die Teilnehmenden müssen zuvor an einem Grundlagenkurs in Achtsamkeit teilgenommen haben, vorzugsweise MBSR oder MBCT auf dem es gezielt aufbaut, oder Breathworks, MBRP oder ein vergleichbares Programm. MBCL vertieft bereits erworbene Achtsamkeits-Fähigkeiten und erweitert die Praxis um mitgefühlorientierte Übungen. Daher ist es Voraussetzung, dass MBCL-Lehrende bereits über Unterrichtserfahrung verfügen, zertifizierte MBSR- oder MBCT-LehrerInnen sind und einem ähnlichen Stil beim Unterrichten und beim Erforschen der Erfahrungen der Teilnehmenden folgen. Beim MBCL erweitern Lehrende ihr Unterrichtsangebot auf der Basis von MBSR/MBCT.
  • MSC ist als eigenständiges Programm konzipiert und integriert grundlegende Achtsamkeitsübungen in seinen Lehrplan. Es ist nicht erforderlich, dass die Teilnehmende zuvor an einen Achtsamkeitskurs teilgenommen haben. MSC-Lehrende haben eine eigenständige Lehrerausbildung absolviert, und es ist nicht Voraussetzung, MBSR/MBCT-LehrerIn zu sein. Jedoch müssen sie über eine fundierte und kontinuierliche persönliche Meditationspraxis verfügen.
  • Beim MBCL wird die Entwicklung von Selbstmitgefühl und Mitgefühl für andere als untrennbar betrachtet und es wird beidem viel Raum gegeben. Im MSC liegt der Fokus expliziter auf der Entwicklung von Selbstmitgefühl. Übungen in denen die Teilnehmenden Freundlichkeit/Mitgefühl für andere praktizieren werden auch im MSC angeboten, jedoch als Weg zur Entwicklung von Selbstmitgefühl.
  • Es gibt darüber hinaus noch einige kleinere Unterschiede in Bezug auf spezifische Übungen und Themen, die untersucht werden.

Welches Programm wählen?

Beide Trainings verweisen auf den Wert der Achtsamkeitspraxis. MSC weist darauf hin, dass es empfehlenswert ist, mit der Praxis der Achtsamkeit vertraut zu sein, MBCL betrachtet sie als Voraussetzung. Die Entwickler beider Programme betonen, dass Persönlichkeit, Stil und "Verkörperung" des Lehrenden oft wichtiger sind als das angebotene Kurrikulum. Beide Trainingsprogramme sind für sich genommen wertvoll, wie andere Mitgefühlstrainings auch, und es ist am wichtigsten, dass Menschen für sich selbst erkunden, was ihren Bedürfnissen am meisten entspricht.

Christopher Germer, Erik van den Brink und Frits Koster, Oktober 2017
deutsche Übersetzung von Jana Willms